Albanien Teil 3

Nach dem Vorfall mit dem gebrochenen Fahrradträger, hielten wir uns betreffend off road etwas zurück. Richtung Süden kurvten wir der Küste entlang….Traumhafte Wälder und leere Strände.

 

Wir beschlossen, direkt am Meer zu campieren. Sandstrand….wunderbar. René wollte aber noch näher ans Meer…..und fuhr mit der Untersetzung und 4×4 Kriechgang dem Meer entlang. Plötzlich ging es nicht mehr weiter, weil der Sand zu tief war. Toll, Freude herrschte! Da war weit und breit keine Bar in Sicht, wo Barbara hätte tun können, was sie in solchen Fällen immer tut…Zum Glück konnte René sie dennoch zur Mithilfe überreden…..Steine und Holzbretter mussten unterlegt werden. Nach einer mühsamen Prozedur konnten wir uns aus dem Sand befreien und übernachteten nicht direkt, sondern 20 Metern vom Meer entfernt……

 

Einmal wurden wir gegen Abend auf ein Geräusch aufmerksam. Ein Land Rover fuhr die steile Küstenstrasse herunter. Ohh cool, auch jemand der hier übernachten will. Nein, es war die Polizei! Die zwei Herren in Uniform hielten an und wir fragten, ob alles in Ordnung sei. Diese winkten nur ab, kein Problem! Wir boten Ihnen Kaffee an….oder einen Schluck Whiskey? Das zweite Angebot hat den beiden besser gefallen. Wir machten „Duzis“ und die Flasche machte die Runde. Leider bestand auch hier wieder das Verständigungsproblem. Schade, hätten gerne mehr über die Tätigkeit der albanischen Polizei hier im Nirgendwo erfahren.

 

Der Abfall ist in Albanien ein riesiges Problem. Wirklich überall liegt der Dreck. Von Flaschen über ganze Autos, alles wird irgendwo in der Natur entsorgt.

 

Rund 50 Kilometer vor der griechischen Grenze trafen wir auf einen Schafhirten, der die vielen Schafe auf sein Grundstück trieb. Wir fragten höflich, ob wir auf seinem Grundstück übernachten könnten. Kein Problem. Also schliefen wir in mitten einer grossen Schafherde, ergänzt durch 4 Hähne und ein paar Hühner. Der Gestank war erdrückend und ein romantischer Schlafplatz sieht anders aus. Bei Sonnenaufgang trieb der Besitzer seine Schafe wieder auf die Weide und die Luft wurde besser. Barbara konnte sich dann noch an den frechen Hähnen rächen, indem sie nur die Hühner fütterte. Wir fuhren baldmöglichst los und beschlossen, dringend am Abend zu duschen!

 

Eigentlich wollten wir nochmals in Albanien übernachten, die Grenze zu Griechenland lag nur 10 Kilometer entfernt, als die Strasse aufhörte. Die einzige Möglichkeit zur Überquerung des Flusses in Butrint war eine brüchige, schittere Zugfähre. René fragte den Fährmann, ob die 3 Tonnen kein Problem für sein Boot sei. Er zeigte mit den Fingern, dass die Fähre 4 Tonnen tragen könne. Okay, das wäre ja mal in Ordnung. Vor uns in der Reihe standen noch ein alter Mercedes (was sonst), ein alter Peugeot. Hinter uns ein Ford. Der Fährmann winkte die zwei vor uns liegenden Fahrzeuge auf das Boot. Wir rechneten das Gesamtgewicht aus und kamen zum Ergebnis, dass es bei vier Tonnen Maximallast keinen Platz mehr für uns hat. René stieg aus und winkte dem Ford-Fahrer zu, er solle ebenfalls noch drauf. Wir würden noch abwarten und dann bei der nächsten Überfahrt rauf fahren.

 

Ja, es kam anders. Der Besitzer hatte vollstes Vertrauen in seine Fähre und winkte uns auch noch auf das Boot. Barbara wollte noch abwinken, doch der Fährmann bestand darauf. Mit gemischten Gefühlen fuhren wir hinten rechts neben den Ford. René schaute links zum Beifahrer, dieser lachte nicht und zeigte uns mit Gestik, dass er im Notfall schwimmen könne! Toll und sehr beruhigend!

 

Ein Wunder der Technik, diese Fähre! Mit Schräglage zogen die Stahlseile das Floss mit uns allen über den Fluss. Zwischen den Holzlatten hindurch drang das Wasser…aber wir kamen heil und trocken auf der gegenüberliegenden Seite an. Das ist Albanien!

 

Die letzten paar Kilometern bis zur Grenze war alles Schotterpiste. Wir kauften im letzen Dorf noch ein, damit wir die albanische Leks noch loswerden. Der Laden im Dorf hatte echt nur das Allernötigste! Und von dem nur je einen Artikel. Also einen Liter Milch, einen Liter Wasser, einen Liter Citro, ein Bier, aber 10 WC-Rollen! (und die gehören jetzt uns!!!) . So, wie wir den Besitzer verstanden, fehlt ihm das Geld, um mehr Lagerartikel kaufen zu können. Wir kauften ihm den Laden leer und überliessen dem Mann auch noch ein grosszügiges Trinkgeld.

 

Albanien war wunderbar. Die Leute sehr hilfsbereit, freundlich und angenehm. Wir fühlten uns immer sicher und willkommen. Wir Schweizer müssen beim Besuch dieses Landes die Bedürfnisse herunterschrauben und offen sein für ein einfacheres Leben. Leider mangelte es uns auch hier an unseren Sprachkenntnissen. Sprachen, die wir beherrschen, hört man selten bis nie. Die Leute sprudeln nur so von Energie und möchten dir viel erzählen, aber ein Gespräch zu führen ist schwierig. Ein kleinerer Camper ist für den Küstenbereich absolut geeignet. Für die Bergstrassen empfehlen wir ein Geländefahrzeug. Albanien ist jetzt noch ein Geheimtipp für Individualisten, wie lange es so bleibt, wird uns die Zukunft zeigen.

 

Ab nach Griechenland….ein altes Reiseland, das kulturell und geschichtlich extrem viel zu bieten hat! Wir freuen uns! Bis dahin, passt auf euch auf und danke für die vielen Rückmeldungen. Es freut uns immer, von unseren Freunden und Verwandten zu hören. Gute Zeit!
Preise:
< 0.5 Liter Bier im Restaurant € 0.80
< 1 Salat € 0.40
< 1 Brot € 0.40
< 1 kg Honig € 5.00
< 1 Liter Diesel € 1.19
< Gaskocher € 4.00, Gaskartusche € 0.60
< WC Papier 10 Rollen ! € 2.00
< Campingplatz € 5.00

 

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Albanien Teil 2

Wir besuchten einen Wochenmarkt. Es gab über Fahrzeuge, Tiere, Kleider, Werkzeuge, allgemeine Ersatzteile, Gemüse und Früchte alles zu kaufen. Wir kauften frische Lebensmittel. Zum Glück hatten wir einen Schreibblock und einen Kugelschreiber dabei, damit wir die Menge und den Betrag aufschreiben konnten. Verständigung gleich null…….aber es war ein Erlebnis. Kein einziger Tourist ausser wir zwei und wir fühlten uns wohl dabei.

 

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Albanien Teil 1

Shkoder – Koplik – Razem – Theth – Shkoder – Shengjjn – Lezhe – Milot – Rreshen – Burrel – Fushe Kruje – Vore – Shijak – Durres – Karpen – Kavaje – Rrogozhine – Lushnje – Fier – Vlore – Orikum – Himare – Sarande – Cuke – Xarre – Konispol – Grenze zu Griechenland

Link zu unserer Reisestrecke:

http://www.easymapmaker.com/map/3bfb78e0538e10c87102649ccfa5e616

Albanien besitzt an der Adria und am Ionischen Meer rund 360 Kilometer lange Küste mit vielen Sand und Kiesstränden. Die albanische Küste ist teilweise weniger als 80 Kilometer von Italien entfernt. Das Durchschnittseinkommen pro Kopf und Jahr beträgt rund $ 4300.00. Die Handelswährung ist der LEK (140 LEK = 1 €). Versuchter Tourismus an der Küste. Die Hälfte des Staatsgebiets ist Bergland oder sogar Hochgebirge. Gemäss EDA ist bei Reisen nach Albanien eine gute Vorbereitung unerlässlich.

Mit gemischten Gefühlen überschritten wir bei Zogai die Grenze nach Albanien. Der Zoll an diesem Abschnitt ist klein und nicht viel befahren. Der Grenzübertritt verlief also rasch und ohne Probleme.

Wir taten in dieser Situation was wir immer tun…..in der nächsten Stadt parken, Bier trinken und eine Zigarette rauchen. Bestimmt denkt ihr langsam, die trinken und rauchen eindeutig zuviel. Aber dem ist nicht so. Nur wissen wir immer wie man Bier in der jeweiligen Landessprache ausspricht und zum Bier gehört einfach eine gute Zigarette…..

Auf den ersten paar Kilometern wurde uns bewusst, dass die Lebensumstände der Bevölkerung hier nochmals schlimmer sind als in Montenegro. Wir fuhren in die Stadt Shkoder im Nord-Westen Albaniens. Chaos pur…aber langsam finden wir Gefallen daran. Wir parkten unser Zebra. Kaum ausgestiegen, wurden wir von älteren und jüngeren Albanern begrüsst. Ein Albaner, der regelmässig Autos mit dem LKW von England nach Albanien transportiert, fragte uns, ob er helfen könne. Diese Starthilfe nahmen wir natürlich gerne an. Wir kauften eine überteuerte Strassenkarte und wechselten in einer Hinterhofwechselstube Euro in LEK. Danach schmeckten das Bier und die Zigi schon viel besser!

Montenegro war das Land des VW Golf…..Albanien ist klar das Land des Mercedes Benz! Jeder, auch wirklich jeder der etwas auf sich hält, fährt hier einen Benz. Es ist anscheinend egal welcher Typ oder in welchem Zustand die Kiste ist…einfach der Stern muss auf der Motorhaube ersichtlich sein. Komischerweise fanden wir nicht eine Mercedes-Benz Vertretung. René überlegt sich, hier eine Niederlassung aufzutun und als Geschäftsführer den Laden zu schmeissen. Barbara findet die Idee nicht so toll…aber könnte anscheinend für einige Zeit damit leben.

Gemäss den Herren an der Bar, müssten wir unbedingt Razem und Theth im Norden besuchen. Aber die „gute“ Strasse gelte nur für die nächsten 20 Kilometer, dann komme rechts eine Abzweigung und eine etwas schlechtere Strasse. Wir entschieden uns, dass Projekt in Angriff zu nehmen.

Ihr müsst wissen, dass die Strassen oft in schlechtem oder sogar sehr schlechtem Zustand sind. Die Ausschilderung ist mangelhaft und es besteht grosse Gefahr, sich zu verfahren. Das Navigationsgerät, trotz neustem update, funktionierte schlecht und fehlerhaft. Wir haben uns etliche Male verfahren und mussten die Einwohner um rat fragen.

Es war Sonntag Nachmittag, und wahrscheinlich alle Bewohner der Stadt Shkoder kamen uns unterwegs entgegen. Leider reicht auch bei der gute Strasse die Breite nicht für zwei Fahrzeuge. Somit wurde es ein dauerndes Abbremsen, Ausweichen und Losfahren….Nach etlichen starts and stops erreichten wir die zwei Orte. Ja, war okay…..aber der Aufwand war für dafür eindeutig zu gross.

In Albanien kann man, wie in Montenegro, überall frei campieren. Da es recht kühl war in den Bergen, zogen wir es vor, an der Küste zu übernachten. Wir haben die Dauer der Rückreise massiv unterschätzt und es wurde bereit dunkel, als wir die Stadt erreichten. Wir fuhren weiter Richtung Meer und fanden einfach keinen Stellplatz, der für uns infrage kam. Während der nächtlichen fahrt entdeckten wir ein Firmengelände mit geteertem Vorplatz und Stacheldrahtzaun. Wir hielten an und trafen auf drei Sicherheitsbeamte mit Hunden, die das Gelände bewachten. Die freundlichen Menschen in der Stadt hatten uns auf einem Zettel notiert, wie man in ihrer Sprache fragt, ob man hier übernachten könne. Die drei Herren fanden es okay und wir durften in der Obhut von Sicherheitsbeamten, Stacheldraht, Überwachungskameras und Hunden eine ruhige Nacht geniessen. Am nächsten Morgen teilten wir unseren Kaffee mit den Securitas und alles war in Ordnung.

Wir fuhren der Küste entlang, um nach 30 Kilometern links Richtung Gebirge abzubiegen. Das Fahrzeug vollgetankt, genug Essen und Trinken dabei. Die Strassen abseits der Hauptachsen sind wirklich mörderisch. Traurig auch die unzähligen Namenschilder von Unfalltoten an den Strassenrändern. Leider müssen wir aber anfügen, dass die meisten Albaner hier fahren wie die Henker. Wir sahen auch immer wieder tote Tiere am Strassenrand liegen, der Körper von der Sonne völlig aufgebläht. Wir waren einige Male froh um unseren Bullbar! Schlaglöcher da, Steine dort. Ziegen da, Schafe dort. Mit rund 30 Stundenkilometern zwangen wir unser 3 Tonnen- Mobil die Berghänge hinauf. Kurz vor einem Bergdorf, das Barbara UNBEDINGT besuchen wollte, und nach unzähligen Schlaglöchern, denen wir unmöglich ausweichen konnten, passierte es…….Päng, und unser Thule-Veloträger ging in die Brüche. Wir sahen im Spiegel, wie beide Fahrräder auf dem Asphalt schleiften. Sofort gab es rings um uns einen Menschenauflauf. Das Dorf ist geschätzte 1 Kilometer lang und am Ende der Strasse befindet sich eine Bar! Barbara machte, was sie in solchen Situationen immer macht…..ging in die Bar und bestellte sich ein Bier. René versuchte mit Hilfe von 6 Männern, geschätzten 60 Augen die zuschauten und mindestens 210 wohlgemeinten Ideen, die Fahrräder auf dem gebrochenen Träger wieder zu befestigen. Am Schluss kam Barbara fröhlich und gutgelaunt zurück, in der Hand frische Oliven. Diese verteilten wir allen Anwesenden und dank professioneller Gebärdensprache hatten wir doch noch ein bleibendes Erlebnis!

Gewöhnungsbedürftig fanden wir auch die Verkehrsschilder. Immer wieder stand plötzlich vor einer Kurve oder vor einer Abzweigung ein Verbotsschild. Roter Kreis mit weissem Punkt. Erst nach einigen Tafeln entdeckten wir, dass der Inhalt der Schilder vergessen wurde. Also statt zb. 20 (für Geschwindigkeit) oder eine Linkskurve (als Warnung) war das Schild in der Mitte leer. Lustig aber doch sehr schwer nachvollziehbar! Oder plötzlich stand rechts auf einer normalen Strasse ein Einbahnschild……Sinn und Zweck fanden wir nicht heraus. Wir sahen auch nie eine Verkehrsampel!

…..weiter im Teil 2………..

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